Exteriorisation durch Aufweichen von Gesichtspunkten

In vielen Zirkeln wird dem Erreichen von Gesichtspunkten und Wahrnehmungen außerhalb des Körpers viel Aufmerksamkeit gegeben.

Die zugrundeliegende Annahme scheint oft zu sein, dass ein „Exteriorisieren“ vom Körper gleichbedeutend mit „Freiheit“ des Wesens selbst ist – herbeigeführt durch die „Freiheit“ vom Körper.

Der Irrtum einer solchen Annahme wird deutlich, wenn man bedenkt, dass zum Zeitpunkt von bevorstehendem Tod des physischen Körpers jedes Wesen einen vom Körper „exteriorisierten“ Zustand einnimmt. Das macht das Wesen jedoch überhaupt nicht freier – es wird seinen Durst nach physischen und mentalen Wahrnehmungen vergrößern.

Aus anderer Perspektive kann eine Exteriorisation eine Verschiebung des angenommenen Gesichtspunkt-Zentrums des Wesens angesehen werden. Außer wenn sich die Gesichtspunkte selbst während des Prozesses ändern, wird nicht mehr als ein begrenztes räumliches Bewegen in Bezug auf den augenblicklichen Körper erreicht.

Exteriorisationsprozesse lassen die ursprünglichen Körper-Anhaftungen wahrscheinlich unverändert und in ziemlich vielen Fällen können sie sehr viele Probleme verursachen, die als „out-int“ bekannt sind.

Ein Wesen heftet sich an einen Körper durch Ankerpunkte, die sich gewöhnlich am Kopf, Nacken und an der Schulter konzentrieren. Es macht dies durch fixierte Gesichtspunkte, die manchmal „Ankerstrahlen“ genannt werden.

Den Abstand des ursprünglichen Gesichtspunkts des Wesens zu verändern kann bewirken, dass diese Ankerstrahlen nicht mehr im Gleichgewicht sind. Diese Ankerstrahlen werden dann mit verstärkter Kraft den Körper „packen“, da es „ihnen“ so vorkommt, als hätten sie die Kontrolle verloren.

Schwindel, extrem schmerzvolle Kopfschmerzen, Muskelkrämpfe und andere Phänomene können auftauchen und zu erheblichem Unwohlsein der Person führen.

Und zusätzlich zum physischen Unwohlsein wird jeder Zustand von Exteriorisation frühere Erlebnisse, außerhalb des Körpers zu sein, wachrufen.

Während zahllosen Lebenszyklen erschienen diese Erlebnisse nur zum Zeitpunkt des Todes oder bei extremer Gefahr. Außer diese Geschehnisse sind erfolgreich in Bezug auf Körper und Wesen geklärt worden, kann erwartet werden, dass sie mehr oder weniger stark dramatisiert werden.

Eine vollständige Handhabung von Problemen während des exteriorisierten Zustands setzt die Fähigkeit voraus, den Gesichtspunkt exteriorisiert zu sein duplizieren zu können. Da der Gesichtspunkt exteriorisiert zu sein letztendlich erfordert „exteriorisiert zu sein“, ergibt sich eine paradoxe Situation.

Exteriorisationsprozesse werden immer noch viel gefordert. Sie versprechen eine schnelle und leichte Lösung aller Probleme, die eine Person haben kann und entspricht der heutigen Mentalität der „schnellen Befriedigung“.

Es gibt jedoch keinen anderen Weg als die schrittweise Lösung der fixierten Gesichtspunkte einer Person. Und auf lange Sicht ist die Anwendung einer geduldigeren und verständnisvolleren Methode eher geeignet für eine Person zu funktionieren.

Eine Möglichkeit, dieses zu bewerkstelligen, ist erstmal zu beobachten, wie die Person ihre Ankerpunkte am Körper hält.

Sie werden in ihrer Position gehalten durch „Strahlen“ von fixierter und unbeweglicher Aufmerksamkeit. Sie sind in der Zeit „gefroren“ und jede Störung wird ein unmittelbares Wiederaufzwingen und Wiedererschaffen durch die verursachenden Gesichtspunkte bewirken.

Wenn die verursachenden Gesichtspunkte „ungefroren“ oder aufgetaut werden können, würde das Wesen sich nicht so krampfhaft an den Körper klammern.

Weiterhin hat die Erfahrung gezeigt, dass das Auftauen von Gesichtspunkten dem Wesen erlaubt, sich selbst mehr „durchdringende“ Gesichtspunkte zu erlauben anstelle von fixierten Gesichtspunkten entlang einer unbeweglichen Achse.

Die Erfahrung hat aber auch gezeigt, dass das Wesen in einen Zustand genereller Disorientierung kommt, wenn es anfängt, fixierte Gesichtspunkte aufzutauen oder zu dezentrieren. Dieser Zustand von Disorientation (der leicht sehr überwältigend sein kann) verursacht, dass das Wesen zwanghaft fixierte Gesichtspunkte wiedererschafft.

Es ist anscheinend nötig einen Schritt zurück in die verursachende Kette zu gehen, die dazu führt, dass das Wesen in Körper interiorisiert.

Fixierte Gesichtspunkte scheinen ständig einer Verwirrung, die das Wesen über etwas hatte, zu folgen. Um solch eine Verwirrung zu lösen wird das Wesen irgendetwas ergreifen, das als „stabil“ erscheint, selbst wenn es überhaupt keinen Sinn ergibt.

Wenn die Anhaftung zum „stabilen“ Punkt im physischen oder mentalen Raum (manchmal ein „stabiles Datum“ genannt) zu einer Zeit erfolgreich war, kann es sein, dass das Wesen diesen stabilen Punkt zukünftig als Bezugspunkt benutzt.

Selbst wenn das stabile Datum zum Zeitpunkt der Verwirrung Sinn ergab, wird es in unterschiedlichen Situationen und Zeiten keinen Sinn machen und kann zukünftig mehr Verwirrungen verursachen – der Kreis schließt sich und das Wesen, auf das stabile Datum bestehend, das in der Vergangenheit half, wird die Ankerstrahlen bei allem verstärken, was dieses stabile Datum representiert.

Kurz gesagt, bis die Verwirrung, die vor einem fixierten Gesichtspunkt war, erkannt ist, wird beträchtlicher Widerstand gegen das Auftauen des gefrorenen Gesichtspunktes sein. Und wie vorher erwähnt, wenn das Wesen sich jetzt daran macht, diesen fixierten Gesichtspunkt direkt oder indirekt zu bewegen, wie dieses in den meisten Exteriorisationsprozessen gemacht wird, wird eine andere Schicht der Persönlichkeit diesem Gesichtspunkt aufgedrängt oder dieser Gesichtspunkt wiedererschaffen, und zwar mit stärkerer Kraft als je zuvor.

Wenn andererseits die früheren Verwirrungen erfolgreich gelöst sind, können die vorher fixierten Gesichtspunkte jetzt benutzt werden, um Raum und Zeit zu durchdringen. Exteriorisation geschieht dann als Nebeneffekt dieser Durchdringung und ist nicht bloß das Bewegen von Gesichtspunkten mit Anstrengung.

Diese Betrachtungen führen zu folgender Reihenfolge von „Durchdringung/Exteriorisation durch Auftauen von Gesichtspunkten“:

·        finde einen Ankerpunkt (typischerweise ein „Ridge“) im Körper

·        lokalisiere den Ankerstrahl, der sich an diesen Punkt angeheftet hat

·        identifiziere den fixierten Gesichtspunkt, das den Ankerstrahl am Platz hält

·        beginne den gefrorenen Gesichtspunkt aufzutauen – entweder indirekt oder mit Hilfe von modalitätsändernden Prozessen (wie bei NLP)

·        während des Auftauens: entdecke die Verwirrung, die die Fixierung dieses Gesichtspunktes verursacht hat

·        und (sehr wichtig!): halte die Verwirrung im Blickfeld, bis ihre Kraft vollkommen verschwunden ist.

Mit jedem so gelösten fixierten Gesichtspunkt wird das Wesen fähiger, willentlich zu zentrieren *und* zu dezentrieren.

Wenn die Anzahl von gefrorenen Gesichtspunkten genügend reduziert wurde, kann das Wesen in die „grenzenlosen Zustände“ des Geistes eintreten, wo es keine Fixierungen auf individuelle („konkrete“) Objekte mehr gibt.

Diese „grenzenlose Zustände“ sind die Sprungbretter auf dem Weg zur vollständigen Befreiung – ein Zustand, wo es keine Beschränkungen gibt in Bezug auf des Wesens Wahl, Gefühle im allgemeinen und auch Wahrnehmungen durch individuelle Gesichtspunkte im besonderen zu erleben.