717. Die „Nicht-tun-zu-müssen-Liste“ und der „Einzige Prozess“

 

 

Dieses ist einfach zu simpel. So einfach, dass es vielleicht einer der am meisten unterschätzten Prozesse ist:

 

Er könnte als die Vorbereitungsfallen-Gegenmaßnahme Nr. 1 bezeichnet werden:

 

„Mache eine Liste von Dingen, die du NICHT tun musst!“

 

Auf kurze Sicht: Wenn dieser Prozess gründlich durchgeführt wird und man sich genügend Zeit nimmt, sich den Gefühlen hinzugeben, das und das NICHT tun zu müssen, kann dieser Prozess eine Person aus einem sonst hoffnungslos festgefahrenen Zustand herausziehen.

 

Auf lange Sicht könnte dieser Prozess als „Einziger-Prozess“ und Nirwana-Macher missverstanden werden – falls so etwas existieren würde.

 

Der Grund scheint klar genug zu sein: wenn es keine „unbeendeten Dinge“ im Leben einer Person mehr geben würde, würden auch keine Anhaftungen und Zwänge zurückbleiben.

 

Als erstes: Es ist diskutierbar, ob dieser Prozess eine Person weit genug aus dem fixierten Netz von Ideen herauszieht, um fähig zu sein, „die Dinge zu erledigen, die zu tun SIND“. Letztere Ideen sind gewöhnlich verbunden mit Konstruktionen eigener Art (GPMs) und benötigen spezielle Handhabung.

 

Noch wichtiger jedoch ist, dass der „Einzige-Prozess“ Befreiung zu erreichen, einfach dies ist: ein Mythos.

 

Typischerweise wird solch ein Mythos von Leuten propagiert, die in der Vorbereitungs-Falle-1 feststecken. Sie extrapolieren ihre Gewinne ihres gegenwärtigen Prozesses in die Zukunft und schlussfolgern, dass wenn er einmal beendet ist, alles in Ordnung sein „muss“.

 

Es ist nicht vorüber, bis die fette Lady singt!

 

Spekulationen wie Dennis Stephens Nirwana-Behauptungen in TROM oder zu erwarten, Erleuchtung durch genügend langes Sitzen vor einer Wand zu erreichen, werden schnell von jedem, der bei einem bestimmten Prozess Erfolg hatte, wiederholt.

 

Nun kannes aber sein, dass jemand „xyz-erreicht“, während er vor einer Wand sitzt. Was auch immer er tat, war einfach das, was er nahe dem Zeitpunkt tat, als es geschah.

 

Auf diese Art – und all zu oft – fängt jemand an, ein Buch über „wie man ein erfolgreicher So-und-so ist“ zu schreiben. Der Typ sieht zurück zu dem, was er getan hat, bevor er in der Lotterie gewonnen hat. Dieses Herangehen ist natürlich grundlegend richtig. Der Erfolgsautor nimmt aber oft etwas Willkürliches („Ich habe jeden Tag Tennis gespielt“) und die logische Schlussfolgerung wird: „Spiele jeden Tag Tennis, und du wirst auch in der Lotterie gewinnen!“

 

Ein Wesen expandiert stufenweise, bevor es (wieder) grenzenlos werden kann.

 

Selbst der beste Prozess in Richtung Freiheit kann nur bis zu dem Punkt bringen, wo andere Bedingungen weitere Entwicklung verhindern.

 

Die Frage, welche Prozesse ein grundlegendes Prozess-Set bilden könnten, ist interessant, aber vielleicht auch nur rein akademisch.

 

Ein Prozess, der veraltete Ziele, Pflichten, Pläne und Spiele überprüft, würde eindeutig zu solch einem Set gehören.

 

Nun, mir wird gerade klar, dass ich all diese Schreiberei gar nicht machen muss und ich stattdessen ein kleines Nickerchen machen werde!

 

Max Ende.

 

(keine Angst, Max kommt zurück!)