Die Verflechtungen von Anfängen, Änderungen und Beendigungen

Ein grundlegender Prozess, um das Verständnis über die Interaktionen eines Wesens mit diesem Universum zu fördern, ist das Wahrnehmen, wie Dinge beginnen, sich ändern und schließlich enden.Dieser Prozess ist wahrscheinlich schon Tausende von Jahren vor Gotamos Unterrichten da gewesen und ist deshalb vielleicht der erste bewusst durchgeführte „Prozess“ des menschlichen Geistes in der augenblicklich „bekannten“ Geschichte der Menschheit.Er kann bei allen beobachtbaren Prozessen in Natur und Technik angewandt werden. Es ist „natürlich“ anwendbar bei den grundlegendsten Prozessen im Leben selbst – der Prozess des „Atmens“. Und viele Leute halten genau dort an und gehen nicht weiter und werden zum Opfer einer oder mehrerer Fallen.Als Übung scheint es trivial genug zu sein: Der Beobachter beruhigt den rationalen und emotionalen Geist für einen Augenblick, wählt ein Subjekt – lass uns sagen „einen Apfel essen“ – und geht durch ein paar grundlegende Rückruf-Prozesse, um nachzusehen, wie der Beobachter anfing, einen Apfel zu essen, wie der Apfel mit der Zeit „kleiner“ wurde, bis nur der Kern übrig blieb und der Beobachter schließlich beendet, den Apfel zu essen.Für jeden Anfang sollte es einen Wechsel und ein Ende geben. Das leuchtet jedem ein, nicht?Sei gefasst auf einen Schock! Die Abstraktion von „Anfang, Veränderung, Ende“, wie es von Hubbard genannt wurde, erscheint nur wegen der Benennung ihrer (ebenfalls abstrakten) Komponenten trivial!Es ist (zumindest in heutiger Zeit) ein ausgezeichnetes Beispiel von Indoktrination. Dem Studierenden werden „Daten“ zum Studieren gegeben.Diese „Daten“ sind extrem „starke“ Abstraktionen. Der „Aktionszyklus“ ist eine Abstraktion auf höchster Ebene, da es nur eine einzige Aufzählung dieser Art gibt (jeder Prozess kann auf einen Aktionszyklus „reduziert“ werden).Der Student hört auf zu denken, weil er jetzt „alles“ weiß!Es gibt ein paar „vergebliche Bemühungen“: ·        Die Verwirrung der Bezeichnung „Anfang“ (Pali: Bhaava)    mit der Bezeichnung „Existenz“ in großen Teilen der „buddhistischen“ Gemeinde, trotz intensiver und wiederholter Anstrengungen Gotamos, klarzumachen, dass es keine „statische“ Existenz in der Natur gibt, sondern „nur“ Anfang (oder „Werden“), Veränderung und Auflösung. Und dass alle drei Teile sich voneinander „unterscheiden“. ·        Der zwanghafte Drang „Aktionszyklen zu beenden“, basierend auf der Ansicht, dass jeder Anfang ein Ende haben muss; das einzig Falsche bei einer Person wäre, dass sie nicht „beendet“ hat, was sie angefangen hatte.Eine interessante Hypothese, um diese Phänomene von starker Übervereinfachung und falschen Kennzeichnungen zu erklären ist das, was „Sitzungseffekt“ genannt werden könnte: Die Annahme, dass das Lösen von „Fall“ auf eine Meditations- oder Auditier- oder Prozessing-Sitzung begrenzt ist. In einer „Sitzung“ wird das „Leben“ jedoch ausschließlich durch den Filter der Person gesehen – buchstäblich in einem „Elfenbeinturm“ und ohne Bezug zum „wirklichen“ Leben „da draußen“. Die  „Sitzungs“filter bestehen jedoch aus den „Abstraktionen“. Und genau das könnte es sein, was zunächst mit der Person nicht in Ordnung ist. Dieses Buch stellt keinerlei Instruktionen zur Verfügung, außer als Beispiele, wie Prozess-Schablonen aussehen könnten.Außer dem Umstand, dass es schon eine Fülle von „Wie-man’s-macht“-Anleitungen da draußen gibt, ist der Gedankengang dieses Buchs, dass jede Art von „Wie-man’s-macht“-Anleitung in der einen oder anderen Form eine offene oder versteckte Indoktrination, die das Verständnis des „Studierenden“ umgeht. Wenn das Verständnis jedoch umgangen wird, kann der Student dazu neigen, einen Prozess zu laufen, der auf Abstraktionen basiert, die während der Indoktrination gebildet wurden. Mit anderen Worten – statt den eigenen „Fall“ anzusehen oder Phänomene in der Natur konzentriert sich der Studierende auf die Struktur von Wörtern und deren innere Repräsentation in seinem Geist.Dieses Umgehen mag in vielen Situationen praktisch sein – zum Beispiel, um den Erkenntnisprozess einer Person in Gang zu setzen. Auf lange Sicht ist es jedoch „Verstehen“, das wirklich zählt.Ein klassisches Beispiel:Einige „Buddhistische Schulen“ behaupten unrichtigerweise, dass die „einzige“ Übung, die Gotamo ausdrücklich unterrichtete, die „Atmungsübung“ gewesen ist.Sie ignorieren glückselig eine Sammlung anderer faszinierender Übungen. Sie erkennen auch nicht, dass die frühen Überlieferungen von Gotamos Lehren, die als der sogenannte Pali-Kanon zusammengefasst wurden, mehr oder weniger zufällig zusammengetragene Auszüge von seinen Reden sind.Von zufälligen Umständen Schlußfolgerungen zu ziehen, wie beispielsweise „wie oft ein bestimmtes Wort vorkommt“ erscheint in dieser Hinsicht als ausgesprochen unklug.Noch schlimmer – diese Schulen ändern den Prozess von „Beobachten von verschiedenen Arten des Atmens“ (einschließlich des „Aktionszyklus“) um in „bewusstes Ändern des Rhythmus des Prozesses“.Mit anderen Worten – statt dass eine Person „erkennt, dass ein langer Atemzug genommen wurde“, setzt sich die Person jetzt hin und nimmt lange Atemzüge von mehreren Stunden täglich für ein paar Jahre, bei jeder Stufe die Sekunden zählend.Letzteres ist jedoch eindeutig eine Form von Witz (Pali: Yoga), die dem Körper auferlegt wird. Ein Praktizieren, das von Gotamo *ausdrücklich* zurückgewiesen wurde, weil es ihm zufolge nicht direkt zur Erleuchtung führt. Hier setzt die *Form* eines Prozesses die *Absicht* außer Kraft, und das Ergebnis ist weitere Interiorisierung und ein Einfrieren des Zentrums der Person.Kurz gesagt – es handelt sich um eine *Zusammenziehung* anstelle einer „Ausdehnung“ – es *verringert* Wahrnehmung statt sie *auszudehnen*.Wenn andererseits das Beobachten des Prozesses, „Anfang, Veränderung und Beenden“ in jemandes Umgebung tatsächlich für einige Zeit praktiziert wird, werden mehrere Konzepte auftauchen: -             das Entdecken der fraktalen Struktur der Natur: Die Struktur des Ganzen spiegelt sich wieder in der Struktur der Teile. Zum Beispiel: Jeder „Anfangsteil“ eines Prozesses besteht aus einem „vollständigen“ Aktionszyklus – es besitzt einen Anfang, ein Verändern und ein Ende in sich selbst. -             Das Entdecken von der Überlagerung oder Aufschichtung von Aktionszyklen: kein Aktionszyklus existiert für sich selbst, in einem abstrakten Geist des Beobachters – jeder Zyklus ist eingebettet in andere Zyklen und bettet andere Zyklen mit ein. -             Die Existenz von psychologischen Phänomenen, die die Aktionszyklen *umgeben*  –  um einige zu nennen: ·         Die Vor-Zyklus-Leere (wird eindeutig von       Künstlern und Athleten erlebt). ·        Die Nach-Zyklus-Leere – von post-coitum-triste      bis zum ‚Leerheitsgefühl’ nach einem Examen. ·        Die Nach-nach-Leere, das Ergebnis oder die lang-      fristige Wirkung eines Zyklus’ (Prozessrückschlag);     dieses ist das Gebiet, wo Kritik im nachhinein und     nagende Zweifel aufkommen. Die Leere-Phasen werden im „modernen“ Prozessing nicht eindeutig angesprochen. Es geschieht jedoch in diesen Phasen, dass „Postulate“ auf hohem Niveau gemacht werden, und nicht während der einzelnen Aktionen selbst, wo die Person typischerweise zu beschäftigt ist, um irgend etwas zu entscheiden – außer bei Unterzyklen-Leeren.Die Aktionsphasen können auch beeinflusst werden, aber sie sind dann ‚Einpflanzungen’ – beabsichtigt oder unbeabsichtigt – und werden nicht vom Ausführenden verursacht. Die Nach-nach-Zyklus-Leere kann leicht als „unbeendete“ Aktionen interpretiert werden. Kann es denn überhaupt echte „unbeendete“ Aktionen geben ??Ist nicht jeder Aktionszyklus einfach dies: ein Aktionszyklus, bestehend aus Aktionszyklen, die in Aktionszyklen eingebettet sind?Das gewaltsame Isolieren von einzelnen Aktionszyklen kann in vielen Fällen sinnvoll sein: es ist so, wie mechanische Maschinen zu arbeiten scheinen – eine newtonsche Abstraktion.Die Metastruktur der Abstraktion von isolierten Aktionszyklen ähnelt stark einer anderen newtonschen Abstraktion: die Zuweisung einer einzelnen Verursachung einer Wirkung (siehe ‚Manifestation in Abhängigkeit von Zuständen’ vs ‚Ursache und Wirkung’).Beide Abstraktionen funktionieren nur für mechanische Maschinen, und dann nur, wenn die Werkstoffeigenschaften nicht beachtet werden.Die eigene Sichtweise durch überhaupt kein Differenzieren zu begrenzen lässt Dummheit fortbestehen, und jemandes Sichtweise auf Abstraktionen von isolierten Komponenten zu beschränken macht eine Person zu einer Maschine, zu einem Roboter, der kalkulierbar und kontrollierbar ist.Was hat das alles mit Erleuchtung zu tun?Während eine Person die Teile von Prozessen  in der Natur und in ihrem eigenen Geist ansieht erkennt das Wesen, dass es während dieses ganzen Geschehens unverändert bleibt. Auf diese Art erkennt es seine eigenen unrichtigen Identifikationen mit der Welt, die das Wesen umgibt.Wenn eine Person an einer Erkenntnis auf verbalem Niveau anhält, trickst sie sich selbst aus dem *tatsächlichen* Prozess heraus und ist in einer  PrepTrap oder einer Indoktrination zum Opfer gefallen.Wenn dieser Prozess fortgesetzt wird, erkennt das Wesen letztendlich, dass es mit dem Apparat, den es zur Wahrnehmung der Prozesse benutzt – wie Ohren Augen, Geist und Emotionen –   nicht  identisch ist.

Die „Beobachtung von Aktionszyklus-Komponenten“ ist eine theoretische „Einzelprozess-Lösung“, wenn so etwas existieren würde. In der Praxis werden jedoch Katalysator-Prozesse benötigt.Der Prozess mag als fertig erscheinen, wenn eine Schicht von Fall prozessiert wurde. Wegen der fraktalen und schichtweisen Natur von Fall, muss der Prozess wiederholt werden, wenn eine Schicht freigelegt wurde, was typischerweise durch andere Prozesse getan werden kann.Das Wort „Nirwana“ bedeutet „kein Brennen“ – die zwanghaften Prozesse, mit denen sich das Wesen kontinuierlich beschäftigt, weil es sich selbst mit den Prozessen in der Welt verwechselt, werden ausgelöscht wie ein Feuer, das zu brennen aufhört, wenn die Bedingungen für seine Existenz beseitigt worden sind.Mit anderen Worten: Wenn die Identifikationen einer Person mit diesem Universum auf allen Stufen aufgelöst sind, ist das Wesen wieder frei.


Translation: Ingrid von der Behrens